Verhaltenstherapeutische Grundprinzipien

Allgemeines

Die Verhaltenstherapie ist eine auf der empirischen Psychologie basierende psychotherapeutische Grundorientierung. Sie gilt derzeit als die -mit weitem Abstand- am besten empirisch abgesicherte Form von Psychotherapie.
Bei Verhaltenstherapie handelt es sich aber nicht um eine einzelne Therapiemethode, sondern um eine Vielzahl störungsspezifischer und störungsunspezifischer Erklärungsansätze und daraus abgeleiteter Änderungsmodelle.

Verhaltenstherapeutische Methoden sind dabei durch folgende Grundprinzipien gekennzeichnet (gekürzt nach Margraf, J. (Hrsg.), Lehrbuch der Verhaltenstherapie, 1996, Kap. 1, Grundprinzipien und historische Entwicklung):

  1. Verhaltenstherapie orientiert sich an der empirischen Psychologie.
  2. Verhaltenstherapie ist problemorientiert.
  3. Das therapeutische Vorgehen wird möglichst genau auf die jeweilige Störung und den individuellen Patienten zugeschnitten.
  4. Über die Lösung des aktuell bestehenden Problems hinaus wird eine Erhöhung der allgemeinen Problemlösefähigkeit angestrebt.
  5. Verhaltenstherapie setzt an den prädisponierenden, auslösenden und aufrechterhaltenden Problembedingungen an.
  6. Verhaltenstherapie ist zielorientiert.
  7. Die Identifikation des Problems sowie die gemeinsame Festlegung des zu erreichenden Therapieziels durch Therapeut und Patient sind integrativer Bestandteil der Verhaltenstherapie.
  8. Verhaltenstherapie setzt zu ihrem Gelingen eine aktive Beteiligung des Patienten voraus. Bloße Einsicht ist keine hinreichende Bedingung für die Veränderung „eingefahrener“ Probleme. Die Therapie erschöpft sich nicht in Diskussion und Reflexion von Problemen, sondern motiviert den Patienten zum aktiven Erproben von neuen Verhaltens- bzw. Erlebensweisen und Problemlösestrategien.
  9. Verhaltenstherapie ist nicht auf das therapeutische Setting begrenzt.
  10. Verhaltenstherapie strebt eine Generalisierung der erzielten Änderungen auf den Alltag des Patienten an. Hierbei ist es notwendig, dass der Patient neu erworbene Strategien regelmäßig zwischen den Sitzungen ausprobiert und übt. Wenngleich Verhaltenstherapeuten ihre Patienten häufig auch bei Erfahrungen außerhalb der Praxis begleiten, ist das Ziel jedoch stets die Bewältigung ohne therapeutische Begleitung.
  11. Verhaltenstherapie ist transparent.
  12. Verhaltenstherapie setzt auf den aufgeklärten, aktiven Patienten. Das Geben eines plausiblen Erklärungsmodells für die vorliegende Störung und das verständliche Erklären aller Aspekte des therapeutischen Vorgehens sind Bestandteile der Verhaltenstherapie… Transparenz erhöht die „Compliance“, das Verständnis der Patienten für den therapeutischen Prozess und indirekt ihre Problemlösefähigkeit. Auf diese Weise können die erworbenen Fertigkeiten bei zukünftigen Schwierigkeiten besser bzw. auch ohne erneute therapeutische Hilfe eingesetzt werden.
  13. Verhaltenstherapie soll „Hilfe zur Selbsthilfe“ sein.
  14. Verhaltenstherapie bemüht sich um ständige Weiterentwicklung.